Über mich

Vielleicht fing alles mit den Monstern unter 
meinem Bett an.

Geboren wurde ich 1969 in Trier, einer alten Römerstadt voller Geschichte, alter Mauern und sagenumwobener Orte. Schon als kleines Kind erzählte mir meine Großmutter Geschichten und Legenden – besonders die Geschichte von der Entstehung des Trierer Doms hatte es mir angetan.

 

Meine eigene Fantasie brauchte allerdings nicht lange, um sich selbstständig zu machen. Für mich war völlig klar, dass unter meinem Bett Monster wohnten. Im Garten sprach ich mit Elfen und Zwergen, die für mich genauso selbstverständlich dort lebten wie die Menschen um mich herum. Fantastische Welten waren für mich keine sonderbaren Orte. Sie waren einfach da.

 

Und irgendwann wurde ich erwachsen.

Nur meine Fantasie offenbar nicht.

 

Also musste ich mir überlegen, wohin mit all den Figuren, Wesen, Abenteuern und Geschichten in meinem Kopf. Die Lösung war eigentlich ziemlich einfach: Ich gebe den Kindern etwas davon ab.

 

2016 erschien mit „Sharj und das Wasser des Lebens“ mein erstes Kinderbuch. Seitdem sind mehr als zwanzig Bücher entstanden: fantastische Abenteuer, tierische Geschichten, ungewöhnliche Helden, geheimnisvolle Welten und manchmal auch ein kleines bisschen Grusel.

 

Mein jüngstes Buch „Das Haus der sieben Monde“ vereint sieben kleine Gruselgeschichten, in denen rätselhafte Dinge geschehen und nicht immer alles so ist, wie es zunächst scheint.

 

Heute lebe ich mit meiner Familie an der Costa Blanca in Spanien. 

 

Die Monster unter meinem Bett sind inzwischen verschwunden.

Die Elfen und Zwerge? Da bin ich mir nicht so sicher.

 

Und wenn ich gerade keine Geschichten schreibe …

 

Mein Leben besteht allerdings nicht nur aus Büchern, Elfen und Zwergen. Beruflich komme ich aus einer ganz anderen Welt: Ich leite das Steuerreferat bei EcoLex Bumiller & Partner an der Costa Blanca und habe einen Masterabschluss im Steuer-, Erb- und Arbeitsrecht. Dort geht es meistens deutlich weniger fantastisch zu – obwohl das spanische Steuerrecht gelegentlich durchaus Stoff für eine Gruselgeschichte liefern könnte.

 

Und weil mir offenbar eine Welt nie genügt, habe ich irgendwann noch etwas ganz anderes für mich entdeckt: das Modeln.

Das hat allerdings eine kleine Vorgeschichte.

Ich habe einmal rund 105 Kilo gewogen und im Laufe der Jahre etwa 60 Kilo abgenommen. Wer ältere Videos von mir findet, dürfte deshalb gelegentlich zweimal hinschauen und sich fragen:

 

Ist das wirklich dieselbe Audrey?

 

Ja. Ist sie. Diese Veränderung hat mir irgendwann den Mut gegeben, etwas auszuprobieren, an das ich früher vermutlich nicht einmal gedacht hätte. Heute stehe ich als Best-Ager-Model selbst vor der Kamera.

Und darauf bin ich tatsächlich stolz.

Nicht, weil plötzlich alles perfekt sein müsste – sondern weil ich mir irgendwann gedacht habe: Warum eigentlich nicht?

Modeln ist für mich außerdem eine völlig andere Möglichkeit, Geschichten zu erzählen. Diesmal nicht mit Worten, sondern mit Bildern.

So unterschiedlich diese Welten auch sind, eines haben sie gemeinsam: Ich bin neugierig. Ich probiere gern Neues aus, lasse mich nur ungern in eine Schublade stecken und möchte meistens ziemlich genau wissen, was hinter der nächsten Tür wartet.

Wo kommen eigentlich all diese Geschichten her?

Habt ihr euch schon einmal gefragt, wie ich auf manche meiner – zugegeben manchmal ziemlich bekloppten – Geschichten komme? Die Antwort ist erstaunlich einfach: Oft muss ich sie gar nicht suchen. Manchmal genügt ein Blick in den Himmel, ein neues Familienmitglied auf vier Pfoten oder irgendeine völlig alltägliche Situation – und plötzlich ist da eine Idee. Einige meiner Figuren und Geschichten haben deshalb eine ganz eigene Entstehungsgeschichte. Ein paar davon verrate ich euch hier.

Hol mal eben den Tiger aus der Tiefgarage …

Ich war grade 18 und bekam ich von meinem Vater einen Auftrag, den vermutlich nicht besonders viele Töchter bekommen: „Geh mal runter in die Tiefgarage und hol den Mann mit dem Tiger.“

Mein Vater arbeitete damals als Redakteur beim Kabelpilotprojekt Ludwigshafen. Für eine Sendung, die im Sheraton Hotel in Frankfurt aufgezeichnet wurde, hatte er einen Tiertrainer eingeladen, der mit wilden Tieren für Film und Fernsehen arbeitete. Und der brachte tatsächlich einen Tiger mit.

Also fuhr ich in die Tiefgarage. Dort warteten der Tiertrainer – und ein junger, aber bereits beeindruckend großer Tiger.

Gemeinsam fuhren wir mit dem Aufzug nach oben. Das Problem: Im Erdgeschoss hielten die Aufzüge automatisch. Und offenbar hatte niemand den Hotelgästen erzählt, dass ihnen an diesem Tag möglicherweise ein Tiger im Fahrstuhl begegnen würde.

Die Reaktionen waren entsprechend.

„Da ist ein Tiger drin!“

Merkwürdigerweise wollte danach auch niemand mit uns weiterfahren.

Oben angekommen, betrat der Tiger den breiten Hotelflur und reagierte plötzlich völlig ungewohnt. Er schmiss regelrecht die Pfoten nach oben. Sein Trainer musste lachen und erklärte mir, dass der Tiger solche Teppiche noch nicht kannte – das müsse er erst noch lernen.

Diese Szene habe ich nie vergessen. Jahrzehnte später war sie immer noch da: dieser junge Tiger, der Aufzug, die überraschten Menschen und dieser merkwürdige Moment auf einem Hotelflur in Frankfurt.

Und irgendwann bekam dieser Tiger in meinen Geschichten ein zweites Leben.

Aus meiner Erinnerung entstand Django, der Zirkustiger. Django bekam natürlich seine ganz eigene Persönlichkeit – unter anderem eine besondere Leidenschaft fürs Tanzen. Wenn sein Tierpfleger über Kopfhörer Musik hört, hört Django mit seinen guten Tigerohren einfach mit und rappte.

Wie der echte Tiger damals hieß, weiß ich heute leider nicht mehr.

Aber vergessen habe ich ihn nie.

Eigentlich sollte Gucci nur kurz bleiben …

Manchmal muss ich mir meine Geschichten gar nicht ausdenken. Manchmal ziehen sie einfach bei uns ein.

So war es auch mit Gucci. Sie war einer von vier Welpen, deren Familie in den Urlaub fahren wollte und für diese Zeit Pflegefamilien suchte. Wir erklärten uns bereit, einen der Welpen aufzunehmen.

Nur für die Urlaubszeit natürlich. Nun ja. Gucci blieb.

Was allerdings nicht alle Mitglieder unserer Familie gleichermaßen begeisterte. Bei uns lebte nämlich bereits ein Siamkater – und der war offensichtlich der Meinung, dass über die Aufnahme neuer Familienmitglieder vorher mit ihm hätte gesprochen werden müssen.

Gucci lernte sehr schnell, wer im Haus das Sagen hatte. Unser Kater schlug nach ihr, verprügelte sie und schaffte es offenbar, immer genau dort aufzutauchen, wo sie ihn am wenigsten gebrauchen konnte.

Irgendwann traute Gucci sich kaum noch, an ihm vorbeizugehen. Sie machte lieber einen großen Bogen um ihn. Das half allerdings nicht unbedingt. Denn selbst wenn weit und breit kein Kater zu sehen war, konnte man sich keineswegs darauf verlassen, dass das auch so blieb. Irgendwo gab es offenbar immer eine Ecke, hinter der er hervorkommen konnte.

Und während Gucci vermutlich dachte, sie hätte das schwierigste Hundeleben der Welt erwischt, dachte ich irgendwann:

Daraus könnte man doch eine Geschichte machen. So entstand die Idee zu CanGu. Natürlich können meine Tiere in den Büchern sprechen und erleben Abenteuer, die mit ihrem wirklichen Leben nicht mehr allzu viel zu tun haben. Aber angefangen hat alles tatsächlich bei uns zu Hause – mit einem kleinen Pflegehund und einem Siamkater, der von diesem neuen Mitbewohner ausgesprochen wenig begeistert war.

Aus dieser ersten Idee wurden schließlich fünf Abenteuer. Das jüngste, „CanGu und der goldene Schatz“, ist erst vor Kurzem erschienen. 

Manchmal braucht eine Geschichte eben keinen Zauberwald. 

Ein ziemlich schlecht gelaunter Kater reicht völlig aus.

Was, wenn einer aus der Reihe tanzt?

Nicht jede Geschichte beginnt mit einer großen Idee. Manchmal reicht ein Blick in den Himmel.

Eines Tages beobachtete ich einen Vogelschwarm. Ihr kennt das bestimmt: Die Vögel fliegen gemeinsam in ihrer typischen Formation, wechseln die Richtung und trotzdem scheint jeder ganz genau zu wissen, wo sein Platz ist. Einer folgt dem anderen, alles wirkt perfekt aufeinander abgestimmt. Ich schaute ihnen eine Weile zu – und plötzlich kam mir ein Gedanke:

Was würde passieren, wenn einer aus der Reihe tanzt?

Wenn da ein kleiner Vogel wäre, der sich alle Mühe gibt, genauso zu fliegen wie die anderen, bei dem es aber einfach nicht funktioniert? Einer, der ständig aus der Formation gerät, irgendwo landet, wo er überhaupt nicht hinwollte, und bei dem aus einem kleinen Missgeschick zuverlässig das nächste entsteht?

Damit war Knaks geboren.

Und wenn mein kleiner Vogel schon anders sein sollte, dann bitte richtig. Knaks kann nicht besonders gut fliegen. Und als wäre das für einen Vogel nicht schon ungewöhnlich genug, mag er auch keine Würmer.

Das führte ziemlich schnell zur nächsten Frage: Was macht ein Vogel, der keine Würmer fressen möchte, mit einem Wurm?

Er freundet sich natürlich mit ihm an. So bekam Knaks seinen Freund Gisbert. Ausgerechnet ein Vogel und ein Wurm wurden zu einem ziemlich ungewöhnlichen Team. Und ehe ich mich versah, war aus einem einzigen Gedanken beim Blick in den Himmel eine ganze Geschichte geworden – mit Freundschaft, einem großen Abenteuer und schließlich sogar einem ziemlich gefährlichen Gegenspieler: dem einäugigen Falken Mallas.

So entstand „Der Katastrophenvogel“.

Knaks ist vielleicht nicht der beste Flieger und entspricht auch sonst nicht unbedingt dem, was man von einem Vogel erwarten würde. Aber genau deshalb mag ich ihn so gern. Denn nur weil alle anderen in dieselbe Richtung fliegen, muss das noch lange nicht bedeuten, dass man selbst hinterherfliegen muss.

Und das alles nur, weil ich eines Tages ein paar Vögeln beim Fliegen zugesehen habe.

Manche Geschichten warten fast ein 
ganzes Leben

„Das Haus der sieben Monde“ ist mein jüngstes Buch – und trotzdem stecken darin einige meiner ältesten Geschichten.

Als ich vor einiger Zeit in einem alten Fotoalbum blätterte, fand ich tatsächlich ein paar Blätter aus meiner Kindheit wieder. Darunter war eine Geschichte über eine Zeitmaus. Besonders beeindruckend war die dazugehörige Illustration nun wirklich nicht: eine Maus, zwei dreieckige Ohren, ein paar Schnurrhaare und eine Uhr. Große Kunst sieht vermutlich anders aus.

Woher ich damals auf die Idee mit der Zeitmaus kam? Keine Ahnung. Vielleicht hatte der rosarote Panther mit seinem berühmten „Wer hat an der Uhr gedreht?“ seine Finger im Spiel. Vielleicht war es auch die Sendung mit der Maus. Nach so vielen Jahren lässt sich das beim besten Willen nicht mehr rekonstruieren.

Aber die Idee war noch da.

Und irgendwann fand diese kleine Maus aus meiner Kindheit ihren Weg in „Das Haus der sieben Monde“.

Auch andere Figuren des Buches haben erstaunlich alte Vorfahren. Schon als Kind zeichnete und erfand ich einen Hund und eine Katze, die nachts durch die Gegend zogen und als eine Art tierische Rächer für Gerechtigkeit sorgten. Einer von beiden bekam von mir sogar eine Zorro-Maske verpasst. Die Zeichnungen waren, nun ja … sagen wir: Meine Zukunft lag eindeutig eher beim Schreiben.

Jahrzehnte später tauchte die Idee eines tierischen Duos wieder auf – diesmal allerdings mit zwei ganz realen Vorbildern: meinen eigenen Katzen Toffi und Umbra.

Wobei ich an dieser Stelle etwas gestehen muss: Umbra heißt im wirklichen Leben Stinker.

Aber mal im Ernst: Stinker und Toffi im Haus der sieben Monde?

Ein bisschen Würde muss Literatur schließlich haben.

 

Gruseln musste bei uns schon etwas früher anfangen

Eine weitere Geschichte im Buch hat ihren Ursprung bei meinem Vater.

Als ich klein war, lebten wir in Mainz, meine Großmutter aber in Trier. Wann immer es ging, fuhren wir am Wochenende zu ihr. Die Strecke führte durch den Hunsrück – und für mich gehörte zu diesen Autofahrten eines unbedingt dazu:

Mein Vater musste mir Horrorgeschichten erzählen.

Und mit sechs oder sieben Jahren wollte ich offenbar schon keine niedlichen kleinen Gespenster hören, die ein bisschen mit ihren Ketten rasselten. Wenn schon Gruselgeschichte, dann bitte richtig.

Eine seiner Geschichten handelte von einem Geist im Kofferraum. Diese Geschichte blieb mir all die Jahre im Gedächtnis. Viele Jahrzehnte später nahm ich die alte Idee meines Vaters wieder auf, verwandelte sie und ließ daraus eine neue Geschichte für Das Haus der sieben Monde entstehen.

 

Und dann gab es da noch die Sache mit den Werwölfen.

Ich war ungefähr zwölf oder dreizehn und mit meiner Schulklasse unterwegs. Auf der Fahrt zu unserer Unterkunft sahen wir von oben einen See und rundherum Lichter. Später saßen wir zu sechst oder siebt in unserem Zimmer in der Jugendherberge, in Doppelstockbetten, und irgendwann war der ideale Zeitpunkt gekommen, meinen Mitschülerinnen eine kleine Erklärung für diese Lichter zu liefern.

Ich erzählte ihnen, dass sie natürlich einen ganz bestimmten Zweck hätten:

Sie sollten die Werwölfe vom Dorf fernhalten.

Das klang zunächst vielleicht beruhigend. Bis ich darauf hinwies, dass wir uns ja gar nicht unten im Dorf befanden.

Wir waren oben in den Bergen.

Also genau dort, wo die Werwölfe waren.

Meine Geschichte begann ihre Wirkung zu entfalten. Und dann kam mir der Zufall zu Hilfe. Zu unserer Unterkunft gehörte offenbar auch ein Bauernhof – und genau im richtigen Moment muhte irgendwo eine Kuh.

Natürlich wusste ich sofort, was das war.

„Habt ihr das gehört? Das war der Werwolf!“

Spätestens jetzt war die Stimmung im Zimmer ausgezeichnet. Zumindest für mich.

Dann kam unser Lehrer, Herr Fürst, herein, um uns eine gute Nacht zu wünschen. Eines der inzwischen entsprechend beunruhigten Mädchen fragte ihn:

„Herr Fürst, gibt es hier eigentlich Wölfe?“

Und Herr Fürst antwortete völlig arglos:

„Ja.“

 

Mehr Unterstützung hätte ich mir für meine Geschichte wirklich nicht wünschen können.

Viele Jahre später fanden auch solche Erinnerungen ihren Weg in „Das Haus der sieben Monde“. Manche habe ich verändert, manche weitergesponnen, andere waren nur der kleine Funke für etwas völlig Neues. Und mittendrin erleben heute Toffi und Umbra ihre Abenteuer.

Wenn ich darüber nachdenke, ist das vielleicht das Schönste an Geschichten: Manche schreibt man nicht in dem Moment, in dem sie entstehen. Manche trägt man jahrzehntelang mit sich herum, bis irgendwann das richtige Buch für sie da ist.

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