Leserunde zu "Das Haus der sieben Monde" von Audrey Harings

https://www.lovelybooks.de/autor/Audrey-Harings/Das-Haus-der-sieben-Monde-23156885945-w/leserunde/26570125761/26575530962/#thread

Wenn Leser meine Wörter mitnehmen …
Ich weiß gar nicht so recht, wie ich diesen Beitrag anfangen soll.
Vielleicht einfach mit: Ich bin überwältigt.
Meine LovelyBooks-Leserunde zu Das Haus der sieben Monde geht langsam ihrem Ende entgegen. In den vergangenen Tagen habe ich so viele Kommentare gelesen, beantwortet, manchmal darüber gelacht – und bei manchen einfach eine Weile vor dem Bildschirm gesessen.
Natürlich hofft man als Autorin, dass ein Buch gefällt. Man freut sich über Lob, über gute Bewertungen und darüber, wenn Leserinnen und Leser die eigenen Figuren ins Herz schließen.
Aber mit etwas habe ich nicht gerechnet:
Sie sammeln meine Wörter.
Da werden plötzlich „Wurzelmaul“, „Herzlichtstück“ oder „Futterstaubsauger“ herausgepickt. Eine Leserin schreibt, dass sie es liebt, wenn Wörter verwendet werden, die man sonst nicht so oft hört, weil Sprache dadurch weitergegeben wird und nicht in Vergessenheit gerät.
Und dann nennt sie mich eine „Worteschenkerin“.
Ich glaube, viel schöner kann man einer Autorin kaum sagen, dass ihre Geschichten angekommen sind.
Auch einzelne Sätze aus Das Haus der sieben Monde sind für manche zu Lieblingssätzen geworden.
„Manchmal ist man genau da, wo man gebraucht wird, ohne es zu wissen.“
Oder:
„Als hätte die Nacht ihnen etwas geschenkt, das man nicht in den Pfoten trägt – nur im Inneren.“
Eine andere Leserin blieb bei einem ganz kleinen Satz hängen:
„Manchmal vergessen Dinge den Weg dazwischen.“
Und plötzlich lese ich meine eigenen Sätze mit anderen Augen.
Denn beim Schreiben weiß ich natürlich, was ich erzählen möchte. Ich weiß, warum Toffi und Umbra Mut brauchen. Warum es in diesen Geschichten um Freundschaft, Angst, Anderssein, Zusammenhalt und darum geht, hinter das zu schauen, was man auf den ersten Blick sieht.
Aber ich kann nicht wissen, welcher kleine Satz irgendwann einen anderen Menschen erreicht.
Eine Rückmeldung hat mich dann endgültig sprachlos gemacht:
„Du trägst Worte in die Welt, die bleiben.“
Diesen Satz werde ich wahrscheinlich selbst nicht mehr vergessen.
Besonders berührt hat mich auch, dass eine Leserin über das Nachwort schrieb, die Botschaften meiner Geschichten seien längst nicht nur für Kinder wichtig. Eigentlich müssten auch Erwachsene diese Werte wieder stärker leben: füreinander da sein, Mut haben, Ängste überwinden, Freundschaft wertschätzen und gemeinsam statt gegeneinander handeln.
Genau das ist es.
Ich schreibe Kinderbücher. Aber ich glaube nicht daran, dass wir Kindern nur kleine, einfache Gedanken zutrauen dürfen. Kinder dürfen über Mut nachdenken. Über Verlust. Über Anderssein. Über Angst. Über Freundschaft. Und sie dürfen dabei auch Wörter kennenlernen, die vielleicht nicht jeden Tag auf dem Schulhof fallen.
Und natürlich dürfen sie zwischendurch über einen Futterstaubsauger lachen. 
Was mich an dieser Leserunde außerdem glücklich macht: Die Leser sehen unglaublich genau hin. Sie entdecken kleine Details, sprechen über Illustrationen, Figuren und Formulierungen. Sie diskutieren darüber, was Mut eigentlich bedeutet. Sie lachen über Toffi und Umbra – und manchmal erzählen sie sogar eigene Erlebnisse, weil eine meiner Geschichten eine Erinnerung ausgelöst hat.
Dann passiert etwas Wunderbares: Das Buch gehört nicht mehr nur mir.
Die Geschichte, die irgendwann allein in meinem Kopf angefangen hat, lebt plötzlich in ganz vielen anderen Köpfen weiter. Jeder nimmt etwas anderes daraus mit.
Vielleicht ist genau das der schönste Teil am Schreiben.
Ich möchte deshalb allen, die Toffi und Umbra während dieser Leserunde begleitet haben, einfach Danke sagen. Für eure Zeit. Für eure Aufmerksamkeit. Für Kritik und Anregungen. Fürs Lachen, Mitfiebern und Nachdenken.
Und dafür, dass ihr mir gezeigt habt, dass manchmal tatsächlich ein einziges kleines Wort ausreicht, um irgendwo hängen zu bleiben.
Oder, um es mit den Worten einer meiner Leserinnen zu sagen:
„Du trägst Worte in die Welt, die bleiben.“
Mehr kann ich mir als Autorin eigentlich nicht wünschen.
Eure Audrey

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